Nach einem Monat Testbetrieb mit 10 Test-Benutzern, sind wir hier in der Firma auf VoIP umgestiegen. Bisher hingen wir mit ISDN-Telefonen an der Centrex-Anlage eines Providers und waren damit eigentlich recht zufrieden. Einziges Problem war der Aufwand des internen Umzugs eines Mitarbeiters im Gebäude. Bei Wechsel der Etage oder des Flügels musste ein Techniker anrücken, der diesen Umzug physikalisch patchte, das konnten wir nicht selber. Und das brauchte immer Vorlauf. Und da Umzüge durch Teamumbildungen recht häufig stattfinden, war die ganze Sache ziemlich unpraktikabel.
Außerdem waren die Möglichkeiten der Weiterleitung, Voicemail oder ähnliches durch die fremdgesteuerte Telefonanlage doch sehr eingeschränkt.
Auftritt Asterisk. Die open source Telefonieanlage hat mir schon immer in der Nase gesteckt. Nach ein bisschen Marktanalyse habe ich mich für die Komplettdistribution trixbox entschieden. Die installiert ein CentOS als Unterbau und darauf aufbauend einen Asterisk mit der FreePBX-Weboberfläche. Im Endeffekt muss man (fast) nichts an irgendwelchen Konfigurationsdateien verändern, sondern es geht alles über ein Klicki-Bunti-Browser-GUI (für mich als VoIP-Frischling ideal).
An Hardware braucht man für eine so kleine Installation wie wir sie jetzt betreiben nicht viel: ein eigentlich schon ausgemusterter P4 mit 1 GB Hauptspeicher und eine Netzwerkkarte. Punkt. Denn unser Provider hat vorgeschlagen, dass wir uns einfach an sein VoIP-Gateway hängen, so daß wir noch nicht mal eine ISDN/VoIP-Karte im Rechner brauchen. Wir haben also dann eine 2MBit-Anbindung an den Provider gemietet, die ausschliesslich zum Telefonieren verwendet wird. Und die Umsetzung ins Telefonnetz passiert dann beim Provider.
So ist im Falle eines Ausfalls schnell ein Ersatz zu basteln, denn ein handelsüblicher Rechner reicht ja.
Und nachdem die Scharfschaltung eigentlich keinerlei Probleme gebracht hat und seit 3 Wochen erfolgreich läuft, habe ich die ISDN-Hardware dann mal abgebaut und die Anschlüsse gekündigt. Jetzt muss ich nur noch die 35 NTBAs und Kabel dem Provider zurückgeben (siehe Bild) und die ISDN-Telefone bei ebay loswerden.
An Endgeräten haben wir jetzt eigentlich nur 6 “echte” Telefone (von Snom) und der Rest setzt Softphones (meist X-Lite) ein mit verschiedener Hardware (USB-Headset, USB-Handset oder USB-Hörer). Ich selbst benutze das Headset und möchte gar nicht mehr missen, mit freien Händen zu telefonieren.
Die Vorteile im Überblick:
- “eigene” Telefonanlagenhoheit
- freie Vergabe von Durchwahlen aus unserem Nummernblock
- sophisticated Call-Routing
- Voicemail für alle mit Komfort
- Klingelgruppen, follow-me, Pickup-Gruppen
- jeder hat “sein” Telefon, egal an welchem Ort (auch über VPN)
- Wählen aus Outlook heraus
- und vieles mehr
Wir hätten das schon viel früher machen sollen…

